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  • 05: Wie kommt man zu einer guten Deutungshypothese: Beispiel: Kästner, "Hotelsolo für eine Männerstimme"

Kästner, "Hotelsolo ..." - auf dem Weg zur guten Deutungshypothese

  • Eine Deutungshypothese ist gewissermaßen der erste große Schritt, um die Aussage eines Gedichtes zu begreifen.
  • Es ist eine "Hypothese", also eine vorläufige Annahme.
  • Auf sie kommt man, wenn man die "Signale" des Gedichtes sammelt.
  • Das sind Textstellen, die gewissermaßen die Richtung angeben, die das Gedicht in sich hat.
  • In dem besagten Gedicht muss man jetzt nur einfach die Strophen durchgehen und schauen, was sich da an Verständnis aufbaut.
  • Wichtig ist, immer nah am Text zu bleiben und das Verständnis auch fortlaufend zu korrigieren und damit zu verbessern:
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Erste Signale - aus dem Titel heraus

  • Der Titel ist erst mal seltsam,
  • setzt aber Signale in Richtung "Hotel" = nicht zu Hause,
  • "Solo" = Alleinsein
  • und "Männerstimme", es geht also um einen Mann - und das, was er gewissermaßen raushauen möchte - darauf kommt man aber erst, wenn man das Gedicht schon einmal gelesen hat.

Strophe 1
  • Hier gibt es Signale, dass etwas nicht mehr so ist, wie es war oder sein sollte.
  • Außerdem geht das eine Bett, das das lyrische Ich nur noch braucht, in Richtung erzwungene Selbstbeschränkung.
  • Am Ende dann das Signal, dass dem lyrischen Ich hier anscheinend etwas passiert ist, was schon häufiger vorkam.

Strophe 2

  • Hier gibt es Signale für Müdigkeit und für die Konkurrenzsituation,
  • außerdem für die Zerrissenheit zwischen anständigem Verzicht und realem Nicht-Verzichtenwollen.

Strophe 3

  • Hier wieder ein Signal, dass es sich um einen Verlust handelt, den das lyrische Ich gerne vermieden hätte
  • dazu kommt die innere Widersprüchlichkeit:
  • Angeblich ist es gerne allein, was aber allem widerspricht, was vorher gesagt worden ist.
  • Dann flüchtet sich das lyrische Ich in Arroganz - nach dem Motto: Soll sie doch ins Unglück laufen.
  • In Wirklichkeit ist wahrscheinlich nur das lyrische Ich unglücklich.

Strophe 4

  • Auch hier wieder der Gegensatz von scheinbarer Überlegenheit und Angst, dass dem Ex-Partner was passieren könnte.
  • Was bleibt, war zu Kästners Zeiten typisch männlich: Seinen Kummer wegsaufen
  • und dann am Ende die Selbstüberhebung ins Hochmoralische: Das lyrische Ich wünscht seiner Ex-Partnerin doch Glück.

Zusammenfassung der Signale in Richtung Deutungshypothese

Das Gedicht zeigt:

  1. ein intensives Verlassenheitsgefühl, das mit Müdigkeit und fast Verzweiflung einhergeht
  2. die Zerrissenheit im Hinblick auf die eigenen Gefühle: zwischen schlechten und guten Wünschen
  3. am Ende dann den Sprung in eine hochmoralische Haltung, die noch echte Liebe zeigt, nämlich gute Wünsche.
 

Noch ein Tipp: Video zum Umgang mit schwierigen Strophen

Das folgende Video gibt Tipps, wie man mit schwierigen Gedichten umgehen kann:

 

Kleine Nebenbei-Sammlung von "künstlerischen Mitteln"

Zwar ging es uns hier in erster Linie um die Herstellung einer brauchbaren Deutungshypothese, die ist aber - als inhaltliche Kernaussage  - eng verknüpft mit künstlerischer Unterstützung.

An dieser Stelle verweisen wir kurz auf ein Video.
In ihm geht es darum, dass man künstlerische Mittel

  • nicht suchen,
  • sondern finden soll.

Das hört sich erst mal seltsam an, aber wer das Video gesehen hat, versteht, worum es geht:

Hier der Link zum Video:
https://youtu.be/8N2lTia5qLk

 
 

Nun die Liste dessen, was uns im Gedicht aufgefallen ist:

  • I,1 (1. Strophe, 1. Zeile)
    Korrektur des eben Gesagten - dafür gibt es ein Fachwort, was aber nicht entscheidend ist.
  • I,3 = Gegensatz
  • II,1: Da merkt man deutlich die Personifizierung, wichtig ist aber die Erklärung des Mittels: Erstens ist der Koffer jetzt sein einziger Partner - und das lyrische Ich sieht auch in den Dingen das Gleiche, was ihm passiert.
    "ziemlich anderen Mann" = Hier wird die Distanz zu dem Konkurrenten auf eine sehr besondere Weise ausgedrückt.
  • Dann II,3 und 4 = der Gegensatz als Ausdruck der inneren Zerrissenheit
  • III,1u2: Ungewollte Satire, weil das lyrische Ich etwas sagt, was ganz offensichtlich im Widerspruch steht zu allem anderen.
  • IV,1u2: Die Bilder des Sich-Verlaufens und des Sich-Verirrens, was wieder genutzt wird, um die bestehende Entfernung zu bewältigen.
  • IV,4: der absolute Höhepunkt in Form einer Überraschung - eine überraschende Klimax.

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