Sachtext-Analyse: Was sind Sinnabschnitte und wie findet man sie?

Leider ist es immer noch unüblich, Sachtexte so zu verfassen, dass die Leser sie schnell lesen und verstehen können.

Zwar ist es heute durchaus üblich, sie in Abschnitte zu unterteilen - aber manchmal sind die gar nicht optimal gesetzt.

Auf jeden Fall ist es für die Analyse von Sachtexten wichtig, auch den Härtetest zu bestehen, nämlich das Sich-Orientieren in einer regelrechten Textwüste.

Wir haben hier mal ein Beispiel erzeugt und wollen daran zeigen, wie man Sinnabschnitte findet und auch ihre Funktion bestimmt.

Um nicht in den Fehler zu verfallen, der in dem Text beschrieben wird, wollen wir hier nicht lange raten lassen, worauf es ankommt, sondern das gleich vorausschicken:

  1. Ein Sinnabschnitt ist ein Teil eines Textes, der einen inneren Zusammenhang hat und sich dadurch von den benachbarten Abschnitten unterscheidet.
  2. Sinnabschnitte zu setzen ist eine Leistung des Lesers - er selbst bestimmt also, wo für ihn etwas Neues beginnt. Allerdings sollte man versuchen, am Ende zu immer größeren Abschnitten zu kommen, weil man dann den besten Überblick über den Text hat. Die großen Abschnitte können ja noch mal untergliedert werden.#

Unsere "Vorlage": Die ersten Abschnitte (unserer Meinung nach) - mit Begründung

  1. So ziemlich jeder kennt noch den Spruch: „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“.
    Einstieg über einen Anknüpfungspunkt: Der Leser weiß jetzt, dass es um Schule und Lernen geht.
  2. Wir würden den Spruch ganz gerne mal etwas ändern: „Nicht von der Schule, sondern vom Leben lernen wir.“
    Jetzt wird deutlich, warum der Spruch am Anfang erwähnt wird: Es geht darum, ihn abzuändern. In gewisser Weise wird er umgedreht. Jetzt geht es darum, dass das Leben die größere Möglichkeit bereitstellt, etwas zu lernen.
    Klingt ein bisschen radikal. Man fragt sich vielleicht: Soll man die Schule abschaffen?
    Dabei muss man jetzt aber auch die Überschrift berücksichtigen, das war eigentlich unser Fehler. Dann hätten wir nämlich gar nicht so lange rumüberlegt, sondern gleich gewusst, dass die Schule offensichtlich vom Leben lernen soll.
  3. Dabei denken wir an ein ganz besonderes Problem, nämlich die Art und Weise, wie die, die etwas noch nicht wissen und können, zu denen aufschließen, die da schon weiter sind.
    Das wird jetzt ein bisschen präzisiert: Es geht also um ein Lernen, bei dem Leute sich nicht selbst etwas beibringen. Wenn jemand sich im Dschungel verlaufen hat, muss er selbst lernen, damit klarzukommen, und schafft es, wenn er Glück hat.
    Besser wäre es aber, wenn er vorher einen Kurs macht und von Leuten lernt, die das schon beherrschen.
    Darum geht es in diesem Text also - und dabei kommt die Schule auch wieder ins Spiel. Denn die soll einem ja Dinge beibringen, die man später brauchen kann.
  4. Nehmen wir zwei Fälle:
    Darauf gehen wir jetzt nicht weiter ein, weil dieser Anfang selbsterklärend ist.

Wichtiger ist der Hinweis, dass man die ersten drei Beispiele auch als Einleitung verstehen kann:

Im ersten Teil des Textes wird von einem bekannten Spruch ausgegangen, nachdem in der Schule für das Leben gelernt werden soll. Dieser wird dann umgedreht, dass vom Leben gelernt werden soll - und das gilt, so sagt es die Überschrift, nach Meinung des Verfassers auch für die Schule.

Im zweiten Schritt werden dann Beispiele vorgestellt.

usw.

Noch eine Ergänzung: Zwischenüberschriften für den schnellen Überblick

Wenn man den "Sinn", d.h. den inneren Zusammenhang eines Abschnittes erkannt hat, dann sollte man ihn auch festhalten - allerdings mit einer Ergänzung.

Solch ein Abschnitt hat ja in dem Text eine Funktion.

Also wäre es hilfreich, die Abschnitte doppelt zu kennzeichnen - mit Angabe des Sinns (Inhalt)  und Funktion (im Text).

Am besten kennzeichnet man es entweder im Text - zum Beispiel in eckigen Klammern, wie wir es hier machen. Oder aber man notiert es sich am Rand in Stichworten oder als Basis für eine Klassenarbeit oder Klausur in der eigenen Analyse.

Wir machen das mal bei unseren Beispielen:

  • [Einstieg über ein bekanntes Zitat, bei dem das Leben als Ziel des Lernens genannt wird]
    So ziemlich jeder kennt noch den Spruch: „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“.

  • [Verwendung des Spruchs durch Umwandlung der Richtung: Das Leben soll nicht nur das Ziel, sondern auch die Quelle des Lernens sein]
    Wir würden den Spruch ganz gerne mal etwas ändern: „Nicht von der Schule, sondern vom Leben lernen wir.“

  • [Beschränkung auf einen bestimmten Aspekt, nämlich die Art und Weise des Lernens]
    Dabei denken wir an ein ganz besonderes Problem, nämlich die Art und Weise, wie die, die etwas noch nicht wissen und können, zu denen aufschließen, die da schon weiter sind.

  • [Verdeutung des ... an Beispielen (die Punkte können erst gefüllt werden, wenn man sich die Fälle angesehen hat.]
    Nehmen wir zwei Fälle:

Der komplette Text - der jetzt mal in Sinnabschnitte zerlegt werden könnte ;-)

Am besten selbst mal probieren.

Dafür kann hier ein pdf-Dokument heruntergeladen werden.

Weiter unten liefern wir unsere Lösung mit Begründung.

Rolf Proben,

Was die Schule vom Leben lernen könnte

So ziemlich jeder kennt noch den Spruch: „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“. Wir würden den Spruch ganz gerne mal etwas ändern: „Nicht von der Schule, sondern vom Leben lernen wir.“ Dabei denken wir an ein ganz besonderes Problem, nämlich die Art und Weise, wie die, die etwas noch nicht wissen und können, zu denen aufschließen, die da schon weiter sind. Nehmen wir zwei Fälle: Jeder, der während seiner Schulzeit ein Praktikum in einem Firma macht, kennt das: Er wird erst mal im Betrieb herumgeführt, dann einer Abteilung zugewiesen. Dort sucht man möglichst einfache Tätigkeiten für ihn, zeigt ihm, wie es geht, und lässt ihn dann machen – immer ein bisschen unter Aufsicht. Denn er soll ja keinen Schaden anrichten oder sich verletzen. Das könnte zum Beispiel in einem Zoo passieren, wenn er auf ganz eigene Art und Weise versucht, die Löwen zu füttern. In der Regel dauert es sehr lange, bis so ein Praktikant dann die Löwen besser versteht und behandeln kann als die erfahrenen Tierpfleger. Oder jemand möchte Gitarre lernen. Dann kommt er zu jemandem, der das schon kann. Der gibt ihm aber kein Instrument in die Hand und sagt dann: „Probiere es einfach mal aus – und dann schauen wir, was rauskommt.“ Es könnte nämlich sein, dass dabei so wenig rauskommt, dass der, der lernen wollte, irgendwann das ihm fremd gebliebene Gerät beiseitelegt und verschwindet. Vielmehr wird ihm alles gezeigt, damit er möglichst schnell erste Erfolge sieht und wiederkommt. Meistens ist es Lernen durch Zuhören und Abgucken. Halten wir also fest: Man lernt am im wirklichen Leben am besten, wenn man genau denen zuhört, die schon etwas wissen und können – und dann wird erst mal nachgeahmt. Wann und wie man dann auch schon mal was ganz selbstständig und neu machen kann, hängt von den Betreffenden ab. Kommen wir nun zur Schule: Da hat sich seit einigen Jahren etwas durchgesetzt, was eigentlich sehr vernünftig ist: Die Lehrkräfte halten nicht mehr lange Monologe, nur durch kurze Suggestivfragen unterbrochen („Ja, was machte er jetzt wohl, wenn die Tür mal nicht abgeschlossen wurde?“), sondern sie versuchen es mit etwas Input und dann dürfen die Schülerinnen und Schüler selbst loslegen. Das Problem dabei ist nur, dass dabei vieles mühsam erkundet wird, was längst geklärt bzw. bekannt ist. Das kann durchaus sinnvoll sein: Wenn zum ersten Mal eine Kurzgeschichte besprochen wird, dann macht es mehr Spaß, sie mit einer Geschichte mit normalem Einstieg und abgerundetem Ende zu vergleichen. Aber was sollen zum Beispiel diese seltsamen Unterrichtseinstiege, bei denen die Klasse oder der Kurs raten soll, worum es heute geht. Besonders die Refis sind immer heilfroh, wenn sie diese Klippe übersprungen haben. Häufig wird dabei sogar so etwas eingesetzt wie in der Sendung „Zimmer frei“, wo die Gäste ein sogenanntes Bilderrätsel lösen mussten: Da kam es nur darauf an, aus verschiedenen Dingen und Handlungen ein Wort zu erraten, zum Beispiel „Kugel-Schrei-Bär“ – das war weitgehend lustig, aber sinnfrei.  Stattdessen könnte man doch lieber überzeugend erklären, warum man sich in dieser Stunde mit dem Kugelschreiber beschäftigen könnte – dann fühlen Schüler und Schülerinnen sich auch ernstgenommen, denn eine Alternative gibt es ja in der Regel nicht. Wenn dann das Problem klar ist, dann können sie meinetwegen auch herausfinden, ob man den Kugelschreiber auch mit einer essbaren Paste füllen kann – damit es kein Problem ist, wenn man so ein Teil mal vor Aufregung in den Mund steckt. Langer Rede kurzer Sinn: Selbstständiges Lernen und überhaupt Eigenaktivitäten im Unterricht – eine wunderbare Verbesserung zu früheren Zeiten. Aber bitte die Schüler keine unnötigen Bilderrätsel am Anfang lösen lassen, sondern kurzer, anregender Input – und dann geht es an Aufgaben, die man umso besser lösen kann, je besser die Ausgangs-Infos waren. Man könnte es auch so formulieren: Ein fünfminütiger Lehrermonolog am Anfang mit noch fünf Minuten Fragen und Antworten ist zehnmal besser als eine halbe Stunde Herumstochern im Nebel mit wenig Ergebnis am Ende.

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