Aufgabenstellung:

Schreibe einen Tagebucheintrag, den Marcel nach dem Geschehen in der Kurzgeschichte "Spaghetti für zwei" abends verfassen könnte.

Vorüberlegungen zur Lösung

  1.  Es geht um einen Tagebucheintrag, also eine persönliche Notiz, in der man etwas festhält und vielleicht auch noch ein bisschen verarbeitet.
  2. Dabei können Gefühle eine Rolle spielen, aber eben nachträgliche bzw. Erinnerungen an solche, die beim Geschehen eine Rolle gespielt haben.
  3. Häufig will man sich auch ein Klarheit über die Situation und das eigene Verhalten verschaffen, vielleicht auch etwas für sich draus lernen.
  4. In dieser Geschichte gibt es ja eine Zukunft, nämlich das gemeinsame Essen am nächsten Tag, darauf kann man auch kurz eingehen.
  5. Wichtig ist eine passende Einleitung - am besten versetzt man sich in die Situation dieses Marcel und liest auch noch einmal die Geschichte aus seiner Perspektive. Bei dem, was Heinz angeht, muss man überlegen, was Marcel mitbekommen haben könnte oder nicht.

Ideen zur Lösung

Wir beginnen hier erst mal mit grundsätzlichen Überlegungen, die man auch auf andere Fälle übertragen kann.

Weiter unten findet sich dann eine Kurzlösung.

Nun also die gründliche Einarbeitung hin zur Lösung:

  1.  Einleitung
    • Allgemein: "Heute habe ich vielleicht ein Ding erlebt."
    • Oder etwas spezieller: "Letztens war Opa mal wieder bei uns und hat erzählt, wie komisch er damals angeschaut wurde, als er nach Deutschland kam und es noch nicht so viele mit unserer Hautfarbe in dieser kleinen Stadt gab. Ich habe ihm dann gesagt, dass ich da eigentlich keine Probleme spüre - höchstens manchmal fast ein bisschen zu viel Rücksichtnahme. Das kann dann schon nerven. Aber wenn Opa demnächst mal wieder kommt, dann kann ich ihm endlich mal eine richtige Geschichte erzählen - so mit Vorurteilen, aber auch einem guten Ende.
    • Das geht natürlich auch kürzer, aber hier hat man auf jeden Fall einen Grund, überhaupt darauf einzugehen.
  2. Festhalten des Vorgangs
    • Ich saß wie immer in unserem Schnellrestaurant und freute mich schon auf die Gemüsesuppe, die ich mir gerade geholt hatte.
    • Da kam dann so ein Typ auf mich zu, der hatte so richtig diesen selbstbewussten Gang drauf. Ich dachte schon, es gibt mit ihm vielleicht gleich Stress, aber dann nahm er doch einen Tisch in der Nähe.
    • Komisch war nur, dass er gleich wieder aufstand - na ja: Löffel vergessen. War wohl zu viel mit seinem Selbstbewusstsein beschäftigt.
    • Ich wollte dann in Ruhe meine Suppe essen und überlegen, was ich am Nachmittag noch machen konnte, da steht dieser Typ plötzlich mit dem Löffel direkt vor mir und starrt mich an.
    • Ich war so erstaunt, dass ich erst mal gar nichts sagen konnte und dachte nur: "Einfach weiteressen!" Nicht provozieren lassen.
    • Dann aber wäre ich fast vom Stuhl gefallen: Da setzt der sich an die andere Seite des Tisches und schiebt seinen Löffel in meine Suppe.
    • Inzwischen fand ich das lustig, die Leute guckten auch schon - aber das richtete sich mehr auf den Typen als auf mich. Sie wussten ja, wem die Suppe gehörte.
    • Schließlich war ich fertig und überlegte, wie ich am besten aus der Nummer rauskam.
    • Plötzlich kam mir der Gedanke, einfach großzügig zu sein. Jeder hatte ja nur eine halbe Suppe bekommen.
    • Also stand ich auf, ging zur Theke  - aber dann sah ich die wunderbaren Spaghetti und dachte, warte, jetzt sollst du sehen, dass wir hier keine Schmarotzer sind. Gedacht, getan.
    • Als ich an unseren Tisch zurückkam, sagte der Typ immer noch nichts, guckte nur seltsam - und dann aßen wir einfach gemeinsam auch den Teller leer. Eine zweite Gabel hatte ich sicherheitshalber mitgebracht.
    • Es schmeckte echt gut - und als ich fertig war, lehnte ich mich bequem zurück und dachte: Irgendwann muss der doch mal was sagen.
    • Und das tat er auch - und es war herrlich: Er entdeckte nämlich plötzlich seinen Teller Suppe, zwei Tische weiter. Der war wohl so mit mir beschäftigt gewesen, dass er echt dachte, dass ich seine Suppe esse. Typischer Tunnelblick.
    • Na ja, irgendwann stammelte er was von Entschuldigung und guckte so schräg, dass ich richtig loslachen musste. Er lachte dann irgendwann auch, aber es klang noch ein bisschen zurückhaltend.
    • Irgendwann sagte ich dann einfach, wie ich heiße und ob wir morgen nicht noch mal zusammen essen könnten. Ich musste nämlich langsam zum Bus und ich wusste ja immer noch nichts von dem Typen.
    • Und tatsächlich - er hat zugesagt - dann kann ich ihn ja morgen mal fragen, was er in sein Tagebuch geschrieben hat. Auf solche Fragen von Opa muss ich ja gefasst sein, wenn ich ihm die Story erzähle.
    • Ist schon irgenwie toll, wenn man die Leute gar nicht von ihren rassistischen Gedanken befreien muss, sondern das gewissermaßen von selbst geschieht.

Anmerkungen zur Lösung

  1. Der Tagebucheintrag ist etwas lang geworden - das kommt davon, wenn man sich richtig in die Situation hineinversetzt hat.
  2. Die Geschichte mit dem Opa fanden wir ganz gut, weil man damit einen Grund hat, das überhaupt aufzuschreiben - und am Ende kann man es zur Abrundung verwenden.
  3. Von der Gegenseite haben wir den selbstbewussten Gang erwähnt, weil er in der Originalgeschichte auftaucht und dann den Kontrast zur späteren Peinlichkeit vergrößert.
  4. Eine ganz gute Idee war auch wohl, das Schweigen von Marcel zu begründen, dass er keinen Stress will und deshalb die Dinge einfach erst mal laufen lässt.
  5. Auch ganz gut passt die Erklärung, warum Heinz sich überhaupt mit der Suppe vertan hat - er war einfach zu sehr mit seinen Gedanken an den für ihn auffälligen Marcel beschäftigt.
  6. Die Idee mit dem Bus erleichtert es, schnell zu einem Schluss zu kommen und ein klärendes Gespräch auf den nächsten Tag zu verschieben.

2. Lösungsversuch - den man direkt übernehmen oder noch verbessern kann

Das mit dem Verbessern oder Anpassen wäre natürlich gut, denn das ist der erste Schritt zur eigenen Kreativität. ;-)

  1.  Heute musste ich an Opa denken. Der erzählt ja immer von den Zeiten, als Leute wie wir immer noch wegen unserer Hautfarbe schief angeguckt wurden.
  2. Ich habe ja bisher sowas noch nicht erlebt.
  3. Heute aber hatte ich die Gelegenheit. Es war unglaublich: Ich habe wie immer mittags in dem Restaurant gegessen, die Gemüsesuppe sah gut aus.
  4. Da kommt da plötzlich so ein Typ direkt auf mich zu - ich denke schon, es gibt Ärger. Aber er geht an mir vorbei - so richtig in dieser Angeberhaltung, stellt die Suppe ab, überlegt und dreht wieder um und geht noch mal zur Theke zurück.
  5. Ich gucke noch mal zur Suppe - ach ja, Löffel vergessen. Alles in Ordnung.
  6. Tja, denkste.
  7. Der Typ kommt wieder und marschiert mit seinem Löffel diesmal direkt auf mich zu - schaut mich irgendwies starr an. ich denke, sag mal nichts und wart ab.
  8. Da hat der sich doch tatsächlich an die andere Seite meines Tisches gesetzt und geht mit seinem Löffel in meine Suppe.
  9. Aber ich bin ja voll auf dem Friedenstrip. Also denke ich, na gut, dann essen wir eben zu zweit.
  10. Wir haben  dann wirklich die Suppe ausgelöffelt - und hinterher war ich nicht richtig satt. Außerdem dachte ich: Warte, dir werde ich zeigen, was Anstand ist.
  11. Ich gehe also zur Theke und will da eine zweite Suppe holen - da haben die inzwischen den Spaghetti-Topf wieder voll aufgefüllt, mit allem drum und dran. Roch echt lecker.
  12. Ich also eine Portion gekauft, gehe zurück, starrt der Typ mich immer noch komisch an.
  13. Aber ich habe ihm einfach die zweite Gabel hingehalten, die ich für ihn mitgenommen hatte - und los ging's.
  14. --- Ab hier übernehmen wir die Lösung von oben - die passt nämlich hier auch.
    • Es schmeckte echt gut - und als ich fertig war, lehnte ich mich bequem zurück und dachte: Irgendwann muss der doch mal was sagen.
    • Und das tat er auch - und es war herrlich: Er entdeckte nämlich plötzlich seinen Teller Suppe, zwei Tische weiter. Der war wohl so mit mir beschäftigt gewesen, dass er echt dachte, dass ich seine Suppe esse. Typischer Tunnelblick.
    • Na ja, irgendwann stammelte er was von Entschuldigung und guckte so schräg, dass ich richtig loslachen musste. Er lachte dann irgendwann auch, aber es klang noch ein bisschen zurückhaltend.
    • Irgendwann sagte ich dann einfach, wie ich heiße und ob wir morgen nicht noch mal zusammen essen könnten. Ich musste nämlich langsam zum Bus und ich wusste ja immer noch nichts von dem Typen.
    • Und tatsächlich - er hat zugesagt - dann kann ich ihn ja morgen mal fragen, was er in sein Tagebuch geschrieben hat. Auf solche Fragen von Opa muss ich ja gefasst sein, wenn ich ihm die Story erzähle.
    • Ist schon irgenwie toll, wenn man die Leute gar nicht von ihren rassistischen Gedanken befreien muss, sondern das gewissermaßen von selbst geschieht.

Weiterführende Hinweise