Sammlung von Fragen und Aufgaben zur "Marquise von O..."

Wir stellen hier einfach mal nach und nach Fragen und Aufgaben zusammen, die in einer Klausur oder in einer mündlichen Prüfung drankommen könnten.

Dabei geht es nicht nur darum, Fragen zu stellen, sondern es geht auch um den richtigen Umgang damit.

Dazu ein Beispiel:

  • Frage: Wann ist Kleists Novelle "Die Marquise von O...." erschienen?
    • Hier bringt es nicht viel, die Jahreszahlen 1808 bzw. 1810 zu nennen. Da hat man etwas auswendig gelernt, aber letztlich kann man damit nichts anfangen.
    • Sinnvoller ist die zusätzliche Einordnung in die Lebenszeit Kleists
    • und Überlegungen zu der allgemeinen Lage der Literatur in Deutschland zu der Zeit (Epochen der Literatur im Sinne von Hauptströmungen)
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  • Frage: Inwiefern passt der Inhalt der Novelle zur Gattung Novelle?
    • Hier wird es noch komplizierter, denn in dieser Frage stecken eigentlich drei Einzelfragen:
      • Was ist der Kern des Inhalts der Novelle?
        • Es geht um den außergewöhnlichen Fall, dass in Kriegszeiten eine verwitwete adlige Dame nach der Eroberung ihres Wohnsitzes durch russische Soldaten schwanger wird,
        • ohne sich das erklären zu können.
        • Sie versucht dann, das Problem dadurch zu lösen will, dass sie eine Anzeige in der Zeitung schaltet, mit der sie den ihr unbekannten Vater des Kindes auffordert, sich zu meldet, damit sie heiraten können.
        • Es stellt sich dann heraus, dass der russische Offizier, der sie vor der Vergewaltigung durch Soldaten gerettet hat, ihr - als sie ohnmächtig wurde - selbst Gewalt angetan hat.
        • Das Besondere ist nun, dass dieser Offizier alles tut, um seinen Fehler wiedergutzumachen und schließlich nach einer Zeit der Bewährung mit der Marquise auch eine glückliche Ehe führen kann.
      • Was ist typisch für eine Novelle?
        • Es handelt sich um einen epischen Text, länger als eine Kurzgeschichte, aber kürzer als ein Roman.
        • Das Besondere ist, dass eine Novelle einen "unerhörten", also besonderen Vorfall präsentiert, häufig auch durchspielt. Dabei kann es durchaus dramatisch zugehen - in dem Sinne, dass ein Konflikt behandelt wird. Im Idealfall wird der Kern dieses Konflikts auch noch durch ein spezielles Symbol repräsentiert, etwa den "Schimmelreiter" oder "Die Judenbuche" oder "Die schwarze Galeere".
      • Inwieweit passt beides gut zusammen?
        • Eine relative Kürze liegt vor.
        • Auch ein "unerhörter", also besonderer, interessanter Fall.
        • Ebenfalls ein Grundkonflikt, ein Problem, das durchgespielt wird.
        • Auch eine konzentrierte, auf einen Punkt zulaufende Handlung.
        • Was das Symbol angeht, so könnte man argumentieren, dass es im Titel erscheint und eben diese Frau ist, die aus einer in Traditionen eingebundenen Frau zu einer selbstbestimmten Person wird.
        • Man könnte aber die Engel-Teufel-Beziehung, die am Ende noch einmal erwähnt wird, als ein solches Symbol nehmen - denn dadurch läuft ja vor allem die Charakteristik des Grafen hinaus.

  • Inwiefern steht die Figur der Marquise für weibliche Autonomie?
      • Sie ist am Anfang ganz in der Rolle der braven und wohl angesehenen adligen Tochter und Mutter: "Dame von vortrefflichem Ruf" (S. 3)
      • Sie ist am Anfang stark eingebunden in die autoritären Strukturen der damaligen Familie,
      • gewinnt aber im Moment der größten Demütigung, nämlich beim Rauswurf aus dem elterlichen Haus, an innerer Größe: Nach der Verteidigung ihres Rechtes als Mutter an den Kindern heißt es - ausnahmsweise mal in einer Art Kommentierhaltung des Erzählers:
        "Durch diese schöne Anstrengung mit sich selbst bekannt gemacht, hob sie sich plötzlich, wie an ihrer eigenen Hand, aus der ganzen Tiefe, in welche das Schicksal sie herabgestürzt hatte, empor." (S.27)
      • Diese Größe hält sie dann im Folgenden auch durch - zum Beispiel in ihrer distanzierten Haltung gegenüber dem Drängen des Grafen.
      • Letztlich lässt sie sich dann aber doch auf das Vernünftige ein, nämlich in eine Art Wiedergutmachungs- und Bewährungsehe mit ihrem Vergewaltiger (wenn man von dieser Interpretation des Vorfalls während der Eroberung der Zitadelle ausgeht).
      •  Sie behält am Ende auch das letzte Wort und macht ihrem Ehemann deutlich, dass sie hier mit ihm auf Augenhöhe steht. Nicht er beantwortet ihre Fragen, sondern sie beantwortet ihm sein und macht ihm etwas klar, worauf er auch selbst hätte kommen können.
      • Insgesamt zeigt sich die Marquise also als eine Frau, die zwar in den Familien- und Geschlechterverhältnissen der Zeit um 1800 lebt, sich aber maximale Spielräume erkämpft und am Ende dadurch auch ihr Glück.
        Siehe dazu auch die Seite:
        https://schnell-durchblicken3.de/index.php/themen/die-marquise-von-o/230-marquise-charakteristik

Weiterführende Hinweise