Unser Ansatz: Systematisches Wissen und Verstehen:

Zum Thema "geschichtlicher Hintergrund" zu Dürrenmatts Drama "Die Physiker" gibt es viele Informationen.

Uns geht es hier darum,

  1. uns auf das Wesentliche zu konzentrieren
  2. und uns systematisches Wissen aufzubauen
  3. das man wirklich verstanden hat
  4. und aus dem sich auch weiterführende Fragen entwickeln lassen
  5. und das man sich außerdem gut einprägen kann, weil wir es abschließend in einem Schaubild präsentieren.

Weiter unten gibt es noch ein ausführlicheres Schaubild, auf das wir später noch genauer eingehen.

 

 

Die Entstehung von Dürrenmatts Theaterstück, sein Umfeld und die Voraussetzungen

  1. Ausgangspunkt: 1961/1962
    Das Theaterstück entstand im Jahre 1961 und wurde im Februar 1962 uraufgeführt.

  2. Was Dürrenmatt schon wusste: Die Konfrontation in Berlin 1961
    Das ist wichtig, weil sich im August 1961 im Rahmen des Mauerbaus durch die DDR-Regierung in Berlin plötzlich amerikanische und sowjetische Panzer gegenüberstanden und damit die Gefahr eines Weltkrieges bestand. Dieser wäre sehr gefährlich geworden, weil beide Seiten über Atomwaffen verfügten (die USA seit 1945, die UdSSR seit 1949).
    Details:
    Beide Seiten gehörten zu den Siegern über Deutschland im II. Weltkrieg und hatten deshalb in Berlin besondere, gemeinsame Rechte. Die Mauer hatte die Funktion, den Strom von Flüchtlingen aus der DDR in das freie Westberlin zu unterbinden. Hintergrund war das Gefühl, in einer Diktatur zu leben mit der herrschenden Ideologie des Kommunismus. Viele sahen sich so in ihrer Freiheit beschränkt, dass sie ihr Leben riskierten, um in den freien Westen zu flüchten. Dort gab es sehr viel weniger Beschränkungen für sie, sie konnten sich freier entwickeln.

  3. Was Dürrenmatt noch nicht wissen konnte: Die Kubakrise vom Oktober 1962
    Beim zweiten Datum, der Uraufführung, kommt es auf den Monat an, weil Dürrenmatt im Februar noch nicht ahnen konnte, dass es im Oktober zu einer weiteren und noch gefährlicheren Konfrontation zwischen  den USA und der UdSSR kommen würde, der sogenannten Kubakrise.
    Details:
    Die sowjetische Regierung ließ nämlich Raketen nach Kuba transportieren, die das dortige kommunistische System gegenüber den USA schützen sollten. Die empfanden nämlich einen Verbündeten ihres Gegners als Bedrohung und es gab immer die Gefahr einer Invasion. Ein entsprechender Versuch war im April 1961 schon mal gestartet worden, dann aber gescheitert.
    Der amerikanische Präsident Kennedy verhängte eine Blockade für die Transportschiffe der UdSSR. Glücklicherweise einigten sich die beiden Mächte aber noch rechtzeitig. Allerdings wäre es möglicherweise wegen eines Detail-Konflikts fast doch noch zum Weltkrieg gekommen - es ist einem sowjetischen Offizier zu verdanken, dass das nicht passierte.
    Näheres bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Wassili_Alexandrowitsch_Archipow

  4. Was Dürrenmatt schon seit Jahren wusste: Die Gefahr des Einsatzes von Atomwaffen
    Was Dürrenmatt aber wusste und was ihn bewegte, war die grundsätzliche Gefahr, die von den Atombomben der damaligen Supermächte für die ganze Menschheit ausging:
    Der II. Weltkrieg war furchtbar, wurde aber noch mit konventionellen Waffen ausgefochten. Aber auch die führten mit allen Begleitumständen zu insgesamt etwa 60 bis 80 Millionen Toten, im Ersten Weltkrieg war es noch etwa 17 Millionen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Tote_des_Zweiten_Weltkrieges
    https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Weltkrieg
  5. Der Schrecken vom August 1945: Hiroshima und Nagasaki
    Dass Atomwaffen eine völlig neue Gefahr mit sich brachten, hatte sich erstmals im August 1945 gezeigt, als die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki vom amerikanischen Flugzeugen bombardiert wurden: Dabei wurden ca. 100.000 Menschen sofort getötet, viele starben später an den Folgen der Verstrahlung. Diese große zusätzliche Gefahr wurde in dem Zusammenhang den Menschen erst mal richtig bewusst.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Atombombenabw%C3%BCrfe_auf_Hiroshima_und_Nagasaki
  6. Ausgangspunkt: Der "Kampf dem Atomtod" in Deutschland
    Besonders in Deutschland bildete sich 1957 nach Gründung der Bundeswehr eine Bewegung "Kampf dem Atomtod", weil besonders die beiden deutschen Staaten an der Nahtstelle zwischen dem westlichen NATO-Bündnis und dem östlichen Warschauer-Pakt-Bündnis zum Hauptschlachtfeld auch mit Atomwaffen hätte werden können. Es ging vor allem auch darum, eine atomare Bewaffnung der Bundeswehr zu verhindern. Der damalige Bundeskanzler Adenauer sah kleinere Atomwaffen als Weiterentwicklung der Artillerie an.
    Die NATO wollte auf den Einsatz von Atomwaffen nicht verzichten, weil sie im konventionellen Bereich (Soldaten, Panzer) dem Osten unterlegen war.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kampf_dem_Atomtod
    https://www.welt.de/geschichte/article180216424/Schon-Konrad-Adenauer-wollte-Atomwaffen-fuer-die-Bundeswehr.html
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  7. 1956: Robert Jungk und sein Buch "Heller als tausend Sonnen"
    Eine besondere Rolle für Dürrenmatt spielte Robert Jungk, ein Wissenschaftsautor, der 1956 ein Buch schrieb, in dem er sich besonders mit den Gefahren auseinandersetzte, die mit Atomwaffen zusammenhängen. Aufgehängt wird das alles an der Geschichte ihrer Entwicklung, bei der die Wissenschaftler in den USA auch schon grundsätzliche politische und moralische Fragen diskutierten.
    https://www.zeit.de/1956/45/heller-als-tausend-sonnen

  8. Ein interessantes Dokument: Jungks "Werkstattbericht" zu seinem Buch
    Jungks Ansatz wird gut in einem Werkstattbericht von 1963/64 deutlich: Dort fordert er, dass nicht nur berücksichtigt wird, was Wissenschaftler herausfinden, sondern auch, was es mit ihnen als Menschen macht. Vor allem spricht er ihnen eine große Verantwortung zu. Dabei bleibt offen, wie die sich mit den Grundsätzen der Demokratie verträgt. Dürrenmatt selbst hat ja gerade in seinem Stück "Die Physiker" beschrieben, dass Einzelaktionen (auch von Wissenschaftlern) nicht funktionieren (können), sondern, wie er in den Punkten 17 und 18 seiner "21 Punkte zu den Physikern" feststellt:
    17: "Was alle angeht, können nur alle lösen."
    18: "Jeder Versuch eines Einzelnen, für sich zu lösen, was alle angeht, muss scheitern."

  9. Wie sieht es mit der Verantwortung von Wissenschaft und Technik heute aus?
    Was den Bezug zu heute angeht,
    1. so ist die Gefahr, die von Atomwaffen immer noch groß, wenn man an die Konflikte zwischen den Atommächten Indien und Pakistan denkt.
    2. Natürlich gibt es weiter die Gefahren, die von der zivilen Nutzung der Atomenergie ausgeht - besonders die Menschen im Raum Aachen denken mit Sorge an Atomkraftwerke im - von ihnen aus gesehehen - westlichen Ausland. Das ist bei Westwend dann besonders bedrohlich.
    3. Aber es gibt auch ganz andere Gefahren, die mit Wissenschaft zusammenhängen: Seit einiger Zeit wird immer intensiver und erfolgreicher im Bereich des Klonens von Lebewesen gearbeitet. Vor einiger Zeit stand sogar eine Meldung im Raum, in Asien gebe es einen Arzt, der sogar Menschen geklont habe. Das müsste ggf. recherchiert werden.
    4. Scheinbar nicht direkt für den Menschen gefährlich ist der Einsatz von immer intelligenteren Robotern / der "Künstlischen Intelligenz".
      Hier sind erst mal vor allem Arbeitsplätze gefährdet, zum anderen gibt es natürlich entsprechend mehr Möglichkeiten, mit den Daten von Menschen Missbrauch zu treiben. Wenn immer wieder von der Abschaffung des Bargeldes die Rede ist, dann sollte man daran denken, dass das für vom Staat verfolgte Menschen eine wichtige Voraussetzung ist, unentdeckt zu bleiben. In die gleiche Richtung geht die flächendeckende Einführung von Kameras mit Gesichtserkennung.
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    5. Nachtrag: Geoengineering als weiteres Problem
      https://de.wikipedia.org/wiki/Geoengineering
      In dem Artikel geht es hauptsächlich um "gute" Einwirkungen etwa auf das Klima oder die Versauerung der Meere verstanden, es wird aber auch auf Folgendes hingewiesen:
      "Viele vorgeschlagene Geoengineering-Technologien sind noch nicht verfügbar und ihre technische Machbarkeit, ihre gesellschaftlichen und politischen Implikationen sowie ihre Folgen für die Umwelt nicht gut verstanden. Viele Vorschläge sind mit sehr hohen Kosten und Risiken verbunden. Die meisten Untersuchungen kommen überein, dass Geoengineering nicht Klimaschutz und -anpassung ersetzen kann.
      "
      Ein interessanter Fall aus der Vergangenheit wird auf der folgenden Seite beschrieben. Dabei sollten zwei große Flüsse in der damaligen Sowjetunion umgelenkt werden, um in weit entfernten Trockengebieten durch entsprechende Bewässerung die Anbaumöglichkeiten zu verbessern.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Dawydow-Plan
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    6. Vorschlag für einen Abschluss:
      Es gibt eine alte Geschichte, in der ein Bauer sich so über das Wetter geärgert hatte, dass er Gott bat, doch selbst mal für das richtige Wetter sorgen zu dürfen. Tatsächlich durfte er ein Jahr lang selbst entscheiden. Dementsprechend ließ der Bauer es nachts regnen und tagsüber schien die Sonne. Zur Erntezeit sah es übel aus, denn er hatte vergessen, dass auch Wind für die Bestäubung von Pflanzen nötig ist.
      https://www.scinexx.de/dossierartikel/wind-oder-tier/
      Auf die Details kommt es hier gar nicht an - wir sind keine Fachleute auf dem Gebiet: Aber eins zeigt die kleine Geschichte deutlich, dass niemand alles in seine Berechnungen einbeziehen kann, wenn er in die Natur eingreift. Die Evolution regelt so was über das "Überleben der am besten angepassten Lebewesen" - und das zeigt sich eben erst nach vielen Fehlversuchen. Mit denen sollten Menschen aber sehr vorsichtig umgehen, denn es steht eben menschliches Leben auf dem Spiel - und in ganz großen Zusammenhängen sogar das Überleben auf diesem Planeten.
      Inzwischen haben wir eine Variante der Bauer-Wetter-Geschichte im Netz gefunden und verweisen gerne darauf:
      http://www.wuerzburg-martin-luther.de/nachgedacht/Wenn-der-Bauer-das-Wetter-macht.htm

    7. Das Video zu diesem Thema ist auf Youtube zu finden unter:
      https://youtu.be/3Ujv-r8gRZk

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