Äsop, Die Gans, die nur kurz goldene Eier legte (Überblick über den Inhalt und Auswertung)

  1. Jemand bekommt eine Gans geschenkt, die goldene Eier legt
  2. Dann kommt er auf die Idee, dass das Innere auch aus Gold sein müsste.
  3. Um an noch mehr Gold zu kommen, schlachtet er die Gans
  4. Dort fand er aber nur das, was in jeder Gans zu finden ist.
  5. Mögliche Lehren:
    Begnüge dich mit dem, was du (sicher) hast
    Verzichte darauf, zu viel wissen zu wollen.
  6. Spannend ist die Frage, auf welche Fälle des Lebens man das übertragen kann und in welchen Fällen man doch Mut zu noch mehr aufbringen sollte:
    zum Beispiel: Jemand kann gut singen und erfreut Bekannte und Verwandte immer wieder mit seiner Kunst. Ansonsten ist er aber mit seinem Beruf glücklich. Wenn dieser Jemand nun unbedingt ins Musikgeschäft will, dann sollte er auf jeden Fall nicht gleich seinen normalen Job aufgeben, sondern sich genau informieren und testen, wie es ist, wenn man professionell auftritt.
    Es kann aber natürlich auch sein, dass man zu vorsichtig ist und dann ein möglicher Agent, der zufällig den Gesang gehört hat, das Interesse verliert, wenn man nicht eine gewisse Risikobereitschaft bzw. ein entsprechendes Engagement zeigt.

Die Fabeln des Äsop sind insgesamt recht kurz gehalten - es kann also Spaß machen, sie ein bisschen auszumalen.

Das könnte zum Beispiel so aussehen:

Es gab einmal im alten Griechenland einen Mann, der den Gott Hermes auf besondere Weise verehrte. Wenn immer er an seiner Statue vorbeikam, senkte er den Kopf und murmelte: "Ach, Hermes, du Götterbote, wie bewundere ich dich."

Eines Tages stand er wieder vor der Säule, senkte den Kopf und sagte seinen Spruch. Als er aufblickte, wäre er fast vor Schreck umgefallen, denn die Statue trug eine Gans auf dem Arm. Der Mann verstand das sofort als Geschenk eines dankbaren Gottes und nahm die Gans mit nach Hause.

Noch mehr erstaunt war er aber, als er am nächsten Tag ein Ei im Stroh fand, das hammerhart war und golden glänzte.

Seine Frau gab ihm den Rat, gleich zu einem Goldschmied zu gehen. Der prüfte das Ei sorgfältig und sagte dann: "Tja, tatsächlich, es ist aus Gold. Woher hast du das?"

Das sagte der Mann ihm aber lieber nicht, sondern murmelte nur, das sei das einzige Erbe einer alten Tante, die vor ein paar Tagen gestorben sei.

Zu Hause angekommen, überlegte der Mann mit seiner Frau, was sie machen sollten. Irgendwann meinte die Frau: Das ist bestimmt keine normale Gans - da ist irgendeine Maschine drin. Wir schlachten sie, schauen nach. Dann haben wir Fleisch und die Maschine. Die baust du nach - und dann haben wir jeden Tag noch viel mehr goldene Eier.

Gesagt, getan. Aber wie groß war ihr Schrecken, als die Gans innen aussah wie jede andere Gans auch.

Jetzt hatten die beiden Leute keine Chance auf weitere goldene Eier - und der Mann traute sich auch nicht mehr, am Standbild des Hermes vorbeizugehen. Denn der Gott wusste bestimmt, was er mit seiner Gans gemacht hatte.