Anmerkungen zum Gedicht "Doppelte Nationalitätsmoral von Zehra Cirak,

Aus urheberrechtlichen Gründen präsentieren wir das Gedicht hier nicht als Text. Es ist allerdings im Internet im Rahmen einer Unterrichtsskizze von QUA-LIS NRW auf S. 14 zu finden (2.12.2019-09.13 Uhr)
https://www.schulentwicklung.nrw.de/cms/upload/Faecher_Seiten/deutsch/Fremdheit_Lyrik_S_II.pdf

Als Quelle wird dort angegeben:
Quelle: Zehra Çirak: Fremde Flügel auf eigener Schulter, Kiepenheuer & Witsch: Köln 1994.

  1. Der Titel des Gedichtes ist etwas irritierend und erfordert einiges nachdenken: gemeint ist wohl, dass es eine allgemeine Auffassung gibt im Hinblick auf das Phänomen doppelte Nationalität, die einen gewissen moralischen Zwang ausübt.
  2. Die ersten drei Zeilen machen dann deutlich, worum es geht, nämlich das Nebeneinander von Kleidungsteilen, die im Sinne der Zuordnung zu einem start unterschiedlich eingefärbt sind. Der innere Teil der Fußbekleidung (Die Socken) gehört gewissermaßen zur Türkei, der äußere, nämlich die Schuhe, zu Deutschland. Diese Reihenfolge mit ihrer unterschiedlichen Nähe zum Körper selbst mag dabei durch aus Bedeutung haben.
  3. In den nächsten Zeilen geht es dann um die mit dieser Situation verbundenen Gefühle, wobei zwei Gruppen unterschieden werden:
  4. Für die erste Gruppe ist der Teil der Bekleidung, der das Zeichen der älteren Identität trägt, mit Wärme verbunden, der andere Teil, die Schuhe, der mit Deutschland in Verbindung steht, erscheint dem gegenüber als kalt.
  5. Die andere Gruppe sieht in der Verbindung der beiden Nationalitäten einen Doppelknoten. Das kann erst einmal verstanden werden als ein besonderes Fest der Knoten, aber eben auch einer, der nur schwer auf zu lösen ist. Soll ich einen Doppelknoten belastet in der Praxis meistens.
  6. Die Vorstellung von einem nur Schnürsenkel langen Leben soll wohl deutlich machen, dass diese Doppelexistenz eben noch nicht lange andauert. Außerdem findet sie auf heißen Boden statt, d.h. in einer Situation, die immer wieder mit Unannehmlichkeiten oder sogar Schmerz verbunden ist.
  7. Insgesamt ein Gedicht, das mit dem Mittel der unterschiedlich eingefärbten Fußbekleidung sehr viel aussagt und Stoff zum nachdenken gibt.

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