Anmerkungen zu dem Gedicht "Zwei Welten " von Nevfel Cumart

Aus urheberrechtlichen Gründen präsentieren wir das Gedicht hier nicht als Text. Es ist allerdings im Internet im Rahmen einer Unterrichtsskizze von QUA-LIS NRW auf S. 19 zu finden (2.12.2019-09.13 Uhr)
https://www.schulentwicklung.nrw.de/cms/upload/Faecher_Seiten/deutsch/Fremdheit_Lyrik_S_II.pdf

Nevfel Cumart,  Zwei Welten (1996)

  • Bei der ersten Strophe irritiert zunächst einmal, dass die ersten sechs Zeilen nur aus einem Wort bestehen. Fast denkt man: "Der hat es sich aber leicht gemacht mit der Verseinteilung."
  • Dann aber ahnt und merkt man schließlich, dass es einen guten Grund für diese Darstellungsweise gibt. Und zwar hängt das mit der 7. Verszeile zusammen. Dort ist nämlich plötzlich von einer Brücke die Rede - und die verbindet eben auch hier die Wörter der Verszeile.
  • Wenn man dann die ersten Zeilen noch mal unter dem Gedanken des Nicht-Verbundenseins betrachtet, dann drückt die Einsamkeit der Wörter in ihren Zeilen genau das aus, was auch inhaltlich ausgesagt wird - also ein sehr schönes künstlerisches Mittel.
  • Während die erste Versgruppe einen Wunsch ausdrückt, beschäftigt sich die zweite mit der Realität. Die sieht sehr dramatisch aus - man stellt sich die Situation sofort plastisch vor, so anschaulich ist sie beschrieben. Das künstlerische Mittel wird hier insofern abgewandelt, als die Verbindung und auch zum Teil Nicht-Verbindung der Wörter zeigt, wie brüchig die Situation ist.
  • Die letzte Strophe präsentiert dann den dramatischen Schluss. Es wird genau der Moment geschildert, indem die Brücke bricht - der Rest besteht aus der Angst des lyrischen Ichs.
    Interessant dabei der Hinweis, dass dieses Zerreißen "in der mitte" erfolgt
  • Das wirft ein sehr deutliches Licht auf die eigentliche Aussage und Bedeutung des Gedichtes. Die Überschrift macht ja deutlich, dass es hier um keine reale Situation um eine Brücke herum geht, sondern um den Abstand zwischen zwei Welten und den Versuch, ihn zu überbrücken
  • Es kann wohl angenommen werden, dass es sich hier um kulturelle Welten im Zusammenhang mit dem Phänomen der Migration geht. Hier ist es dem Autor gelungen, ein beeindruckend anschauliches Bild der Menschen zu präsentieren, die sich in der Situation befinden, zwischen zwei Kulturen leben zu müssen
  • Damit ist man bei der spannenden Frage, was getan werden kann, damit diese Menschen in dieser Situation nicht leben "müssen", sondern "können". Denn mehr als eine Kultur intensiv zu kennen und auch zu leben, ist natürlich eine Bereicherung des eigenen Lebens und kann auch in der Weise an andere weitergegeben werden. Voraussetzung ist aber eben, dass diese Menschen  nicht in der Mitte zwischen den Kulturen abstürzen, d.h. keiner wirklich mehr bzw. schon angehören. Vielmehr geht es um eine Synthese. Am besten arbeitet man hier mit erfolgreichen Beispielen - zum Beispiel mit Schriftstellern, die Migrationshintergrund haben, aber im Schreiben auch zeigen, dass sie die deutsche Sprache und damit auch Kultur beherrschen.

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